Dossier · Krisenmodus & Verunsicherung
MATCHERYMehr als Matching. Für Ausbildung, die passt.Dossier · 05

Eine Generation im Krisenmodus.

matchery.deKatja Balzer · Dresden

Studien berichten von Belastungen, Sorgen und Unsicherheit unter Teilen der jungen Bevölkerung. Die Ergebnisse beschreiben jedoch keine einheitliche „Generation im Krisenmodus“: Lebenslagen, Ressourcen und Erfahrungen unterscheiden sich erheblich.

Diese Verunsicherung ist das Ergebnis einer Kindheit und Jugend, die durch globale Instabilitäten wie die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, Inflation, kriegerische Konflikte und die Klimakrise geprägt wurde.

Ausbildung kann mit beruflicher Perspektive, Einkommen und praktischer Erfahrung Orientierung bieten. Daraus folgt aber nicht, dass sich grundsätzlich alle jungen Menschen wieder verstärkt der dualen Ausbildung zuwenden.

Einordnung · MATCHERY

Drei Thesen, die aus den Zahlen eine Handlungs­logik machen.

Die Studie liefert die Befunde. Hier ist, was sie für Ausbildungs­betriebe strategisch bedeuten — aus der Perspektive strategischer Beratung, nicht als Statistik, sondern als Auftrag.

01
Vom Bildungs-Optimismus zur Schutzhafen-Logik

Die Lehre war jahrzehntelang Plan B. 2026 ist sie der sichere Hafen.

Studium und duale Ausbildung sind unterschiedliche Bildungswege. Welcher attraktiv ist, hängt von Interessen, Rahmenbedingungen und beruflichen Perspektiven ab.

Für Unternehmen: Machen Sie Sicherheit zum ersten Satz Ihrer Ansprache — nicht zur Fußnote im Kleingedruckten.

23 % Junge Menschen mit Schulden · 2026  (2023: 16 %)
02
Die unsichtbare Belastung im Unternehmen

29 % berichten von Unterstützungsbedarf — ein Thema auch für Ausbildungsbetriebe.

Dass in der Befragung ein erheblicher Anteil junger Menschen von psychologischem Unterstützungsbedarf berichtet, ist auch für Ausbildungsbetriebe ein Anlass, aufmerksam zuzuhören. Daraus lässt sich jedoch weder eine konkrete Kündigungswahrscheinlichkeit noch eine gesicherte Bindungswirkung einzelner Maßnahmen ableiten. Verlässliche Ansprechpersonen und ein respektvoller Umgang können wichtige betriebliche Ansatzpunkte sein.

Für Unternehmen: Ausbilderinnen und Ausbilder schulen, niedrigschwellige Ansprechpartner benennen, Belastung benennbar machen.

29 % Berichten von psychologischem Unterstützungsbedarf
03
Der Vertrauensbruch im Leistungs­versprechen

Wenn Aufstiegschancen fraglich erscheinen, müssen Unternehmen Perspektiven konkret zeigen.

Befragte Zweifel an der Wirksamkeit eigener Leistung lassen sich nicht pauschal auf alle jungen Menschen übertragen. Betriebe sollten berufliche Chancen und Entwicklung konkret zeigen.

Für Unternehmen: Sinn und ein greifbarer Lebensplan schlagen jede abstrakte Karriere­zusage.

? Wie junge Menschen ihre beruflichen Chancen beurteilen

29 % der befragten 14- bis 29-Jährigen geben psychologischen Unterstützungsbedarf an.

29 % berichten von Unterstützungsbedarf.

29 % der befragten 14- bis 29-Jährigen geben an, psychologische Unterstützung zu benötigen. Es handelt sich um eine Selbstauskunft und nicht um eine klinische Diagnose.

29 %
Berichten von Unterstützungsbedarf der befragten 14- bis 29-Jährigen geben an, psychologische Unterstützung zu benötigen. Quelle · Jugend in Deutschland 2026
Wer ist besonders betroffen?

Besonders betroffen sind junge Frauen (34 %), Studierende (32 %) und Erwerbslose (42 %). Fast jeder Zweite berichtet von chronischem Stress, gefolgt von Erschöpfung, Selbstzweifeln und Antriebslosigkeit.

Quelle · Jugend in Deutschland 2026

Wirtschaftlicher Druck stellt das Leistungsversprechen infrage.

Verschuldung steigt — + 7 Prozentpunkte.

Der Anteil junger Menschen mit Schulden ist auf 23 % gestiegen — von 16 % im Jahr 2023.

23 %
Junge Menschen mit Schulden · 2026 2023 waren es noch 16 %. Ein Anstieg um fast die Hälfte in drei Jahren. Quelle · Jugend in Deutschland 2026
Wohnraum­mangel.

Teure Mieten und knapper Wohnraum werden zunehmend als existenzielle Bedrohung und Hindernis für die eigene Lebensplanung wahrgenommen.

Leistungs­zweifel.

Wirtschaftliche Unsicherheit kann Zweifel an Aufstiegschancen und am Verhältnis zwischen Leistung und Lebensperspektive auslösen.

Jeder fünfte junge Mensch denkt konkret darüber nach, auszuwandern.

Junge Menschen wachsen unter unterschiedlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen auf. Daraus können Sorgen um Wohnen, Einkommen oder Zukunft entstehen – nicht zwangsläufig ein einheitliches Misstrauen gegenüber Institutionen.

In der zitierten Befragung werden Auswanderungsüberlegungen berichtet. Solche Angaben sind nicht mit tatsächlichen Auswanderungen gleichzusetzen und erlauben keine unmittelbare Prognose für den Ausbildungsmarkt.

21 %
Denken über Auswanderung nach der jungen Menschen denken darüber nach, Deutschland zu verlassen. Quelle · Jugend in Deutschland 2026

Optimierungs­druck rund um die Uhr. Resilienz wird zur knappen Ressource.

Soziale Medien können Vergleiche und Leistungsdruck verstärken, bieten aber auch Austausch, Information und Unterstützung. Welche Wirkung sie auf Einzelne haben, ist nicht allein aus der Mediennutzung ableitbar.

Zudem wird Cybermobbing als allgegen­wärtiges und verborgenes Problem beschrieben, das die emotionale Resilienz zusätzlich schwächt.

Sichtbarer Stressor Schule, Notendruck, Zukunftsangst
Unsichtbarer Stressor 24/7-Optimierungsdruck & Cybermobbing

Kann duale Ausbildung Orientierung und Perspektive bieten?

Eine duale Ausbildung kann für einzelne junge Menschen attraktiv sein, weil sie Praxis, Vergütung und Qualifikation verbindet. Eine allgemeine „Renaissance“ aufgrund gesellschaftlicher Krisen lässt sich aus den hier angeführten Befragungen allein nicht ableiten.

Bis vor wenigen Jahren Studium = Königsweg, Lehre = Notlösung
2026 · Trendwende Lehre = ökonomischer Schutzhafen
Zusammenfassend

Belastungen ernst nehmen – Perspektiven im Betrieb schaffen.

Junge Menschen stehen unter Anpassungs- und Erwartungs­druck, während sie die tragenden Pfeiler ihrer Zukunft — Rente, Klima, Wohlstand — als höchst gefährdet ansehen. Wer ihnen jetzt Stabilität bietet, gewinnt Loyalität, die früheren Generationen unvorstellbar schien.

01

Stabilität nicht als Slogan, sondern strukturell anbieten.

Klare Übernahme­zusage, Festanstellung, planbare Karrierewege. Was woanders fehlt, wird bei Ihnen zum stärksten Argument.

02

Psychische Belastung ernst nehmen — nicht ignorieren.

Wer Belastungen ernst nimmt, klare Ansprechpartner benennt und Ausbildungspersonal unterstützt, schafft bessere Voraussetzungen für den Ausbildungsalltag.

03

Den ökonomischen Schutzhafen sichtbar machen.

„Bei uns startest du mit X, nach drei Jahren Y, in fünf Jahren erste eigene Wohnung möglich.“ Konkrete Lebensplan-Aussagen schlagen jeden Imagefilm.

04

Die Auswanderungs­bewegung als stilles Signal verstehen.

21 % denken ans Gehen. Was halten Sie ihnen entgegen? Diese Frage ist heute strategisch — nicht erst, wenn Stellen leer bleiben.

Die eigentliche Frage

Die Frage ist nicht, ob junge Menschen verunsichert sind. Die Frage ist, ob Ihr Unternehmen ihnen Stabilität entgegensetzt.

Sicherheit ist heute kein weiches Thema, sondern ein Standort­faktor — und sie entsteht aus dem, was Ihr Unternehmen verlässlich bietet.

Ihr nächster Schritt

Wie kann Ihr Unternehmen Verlässlichkeit, Begleitung und Entwicklung im Ausbildungsalltag gestalten?

Dresden · bundesweit info@matchery.de

Einordnung: Generationsbegriffe sind eine Orientierungshilfe, keine Diagnose einzelner Menschen. Befragungswerte beziehen sich jeweils auf die untersuchte Stichprobe und Fragestellung. Für die Gestaltung von Ausbildung zählen die konkreten Erwartungen, Aufgaben und Bedingungen im Betrieb. Zur Ausbildungsberatung von MATCHERY →